Am anderen Ende, am Mikrofon, am Ü-Wagen, irgendwo steht Jörg Schumacher. Er ist dort, wo sich der Festzug formiert. Und er ist, das muss man sagen, ein Kollege, den wir nicht mitgebracht haben, im Gegensatz zu den vielen anderen, die Sie noch hören werden [Wortlaut unsicher]. Er ist ein Vertreter der „Stimme Israels“, und ich weiß schon, dass er vor Stolz und Freude zittert.
Ja, und das ist wahr, denn ein großer Tag ist angebrochen, Juliane Bartel. Ein großer Tag für unser Volk. Wenn es so etwas gibt wie den Atem der Geschichte, so muss man ihn hier spüren. Hier im Kidrontal vor den Toren der Stadt, hier auf dem Aufmarschplatz, wo sich zum ersten Mal seit so vielen Jahren alle Stämme unseres Landes aus Nord, aus Süd, aus Ost und West versammelt haben. Wir sind im Aufbruch. In diesem Moment ziehen die Leviten, alles auserwählte Männer, bunt geschmückte Stangen durch die mächtigen Bronzeringe der Heiligen Lade, und die Ehrengarde König Davids formiert sich. Gleich wird auch er zu sehen sein. Alle sind voller großer Erwartung. Die Stimmung ist feierlich, fröhlich zugleich, und in den Gesichtern entdecke ich auch Stolz. Stolz über die neu gewonnene Einheit unter unserem König.
Und immer wieder bilden sich Sprechchöre. Hören Sie sie nicht, wie sie sich im Hintergrund formieren? Sie werden immer lauter. Sie rufen: „Wir sind ein Volk, wir sind das Volk!“ Wir sind eben ein Volk im Aufbruch. Wir geleiten die Bundeslade [Wortlaut unsicher] in die Hauptstadt. Aber nicht nur das: Dieses Signal, das König David in wenigen Minuten geben wird, ist für uns alle mehr als der Start eines Festumzuges. Alle erwarten, dass dieses gleichnishaft auch der Aufbruch in eine verheißungsvolle Zukunft unseres geeinten Volkes ist.
Eine fast politische Rede. Ich bedanke mich bei der „Stimme Israels“ hierfür. Er stand am Stadttor. Ich will Ihnen schnell dazwischen sagen, wie das hier ungefähr aussieht. Wir sitzen auf dem Söller. Auf dem Söller eines wirklich großen alten Palastes, der renoviert worden ist. Das ist der Palast der Stadtkönige. David hat ihn bezogen, nachdem er sehr schön und aufwendig renoviert worden ist. Also nur damit Sie so ungefähr wissen, dass ich fast alles im Blick habe, nur den Festplatz nicht. Der wird, also mein Blick, gestört durch den Harem. Der Harem ist auch neu erbaut. Aber in ihm haben wir die wirklich recherchierende Kollegin, will ich mal sagen, Inge Bongers geparkt.
Ja, hallo, ich melde mich jetzt hier aus dem Harem von König David. Der ist jetzt ganz nett geworden. Ich hasse ja an sich solche Paläste, ich kann sie nicht ausstehen. Aber unsere Handwerker aus Tyrus, die haben das hier ganz gemütlich und ganz stilvoll hingekriegt. Und deswegen kann man es aushalten. Sie hören die vielen Frauen im Hintergrund. Aber wir bewegen uns von hier gleich weg und gehen oben aufs Dach, denn die Frauen wollen natürlich auch den Einzug sehen. Und von da melde ich mich dann auch wieder.
Bei mir wird es jetzt langsam hier vor meinem Ausguck auch ein bisschen laut. Na klar, dass das Fest überschwappt. Hier bei mir in meinem, na ja, künstlichen Studio sitzt Manfred Voegele. Sie kennen ihn schon. Ich habe ihn, wenn möglich, immer, wenn es um diese Israeliten geht, die ich nach wie vor nicht richtig verstehe, muss ich schon sagen – also mein phönizischer Kopf steht mir dazwischen –, bei mir, um zu erklären, um zu erklären: Was ist denn das hier eigentlich? Er will nämlich ein dickes, dickes Buch verfertigen und alles, was hier passiert, für die Nachwelt niederschreiben [Wortlaut unsicher]. Also erst mal dieses Fest von heute, Manfred: Können wir das mit einem Wort oder auch mit einem Satz oder anderthalb Sätzen etwas klarer machen? Wer wird hier mit wem vereint?
Also, was sich eint, sind die Stämme, die bisher hinter den Bergen jeder für sich gelebt hat, in einer ziemlich archaischen Verfassung. Die haben sich geeint und ein neues Staatswesen gebildet und haben die alten kanaanäischen [Wortlaut unsicher] Städte, die hier schon seit Jahrtausenden bestanden, mit einbezogen. Jetzt wächst ein neuer Einheitsstaat, der sozusagen das ganze Kanaan, das ganze Land an der Küste zum Mittelmeer hin, einnehmen wird. Und dieser Staat, der neue Staat, wird wenigstens geistig eine Macht sein, die die ganze Gesellschaft hier um uns herum verändern wird. Das sage ich voraus.