Die Sendereihe

Journalisten auf den Spuren der Bibel

Reporter von heute berichten „live“ aus biblischer Zeit – nicht als herkömmliches Bibel-Hörspiel, sondern als historisch genaues Zeitbild auf dem Stand der Forschung.

Journalisten statt Theologen

Von 1973 bis 2003 machte in Berlin eine Sendereihe mit den Mitteln aktueller Rundfunk-Berichterstattung eine Welt lebendig, die seit Jahrtausenden vergangen ist: die Welt der Bibel. Produzenten dieses Programms waren nicht Kirchenleute oder Theologen, sondern Journalisten, Autoren und Kritiker, die in ihrem normalen Berufsleben zumeist an führender Stelle aus Politik, Kultur und Gesellschaft berichteten.

Mit journalistischer Genauigkeit

Mit derselben journalistischen Genauigkeit gingen sie als Mitarbeiter des fiktiven Rundfunksenders „Radio Tyrus“ an die Texte der Bibel heran: gründliche Recherchen, nicht nur über die religiösen und gesellschaftlichen Verhältnisse jener Zeit, sondern auch über viele praktische Einzelfragen, die eine Reportage für die Hörer erst interessant machen.

  • Wie sah der Fischerort Kapernaum zur Zeit Jesu nach den Erkenntnissen der Archäologie aus?
  • Wie schminkten sich die Frauen am Hofe Salomos?
  • Was aß und trank man bei einem Fest zur Zeit des Patriarchen Abraham?
  • Wie war der Stand der medizinischen Wissenschaft, als Jesus seine Heilungswunder tat?

Diese imaginäre Sendestation, von Berliner Journalisten und Autoren bereits 1973 gegründet, hat es sich zur Aufgabe gemacht, biblisches Geschehen mit den Mitteln aktueller Rundfunkberichterstattung vorzustellen.

Die Presse, „Wenn Bücher klingen“, 2000

Warum Tyrus?

Als Standort für ihren fiktiven Rundfunksender wählten die Autoren die phönizische Hafenstadt Tyrus. Sie liegt nahe an den Stätten des biblischen Geschehens, ihre Bewohner gehören aber einer anderen Kultur und Religion an. So konnten die Reporter von Radio Tyrus immer aus einem gewissen Abstand über die damaligen Vorgänge berichten. Die Ereignisse erschienen ihnen fremd – wie dem heutigen Bibelleser auch.

Um unnötiges Theater zu vermeiden, behielten die Mitwirkenden ihren Namen und auch die Grundzüge ihrer Identität.

Wir waren eben nicht Partei. Wir haben von außen auf die Ereignisse geguckt.

Petra Castell im Deutschlandfunk Kultur, 2019

Und dann geht’s los …

Dabei spielten die mitarbeitenden Journalisten längst keine bloßen Rollen mehr. Sie schlüpften mit Haut und Haaren in die historischen Charaktere, die sie verkörpern – ein spannendes Spiel, bei dem bis zur Aufnahme der Sendung alles offen blieb. Jeder der Beteiligten bereitete sich selbstständig auf seine Rolle vor. Der Produktionsplan verzeichnete nur die Reihenfolge der Auftritte und die Geräuschkulisse im Hintergrund.

Gesendet wurde wie live, mit Pannen, Versprechern und falschen Aussprachen. Die großen Feiertagssendungen zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten wurden mit Musik bis zu drei Stunden lang.

Erstaunlich gegenwärtig

Was die Autoren der Sendereihe auch nach über 25 Jahren faszinierte, war eine erstaunliche Entdeckung: Die alten Berichte erhalten bei so genauer Nachfrage von selbst eine erstaunliche Gegenwartsnähe. Sie müssen nicht künstlich modernisiert werden – es reicht, sie einfach nachzuerzählen.

Bekannte Stimmen aus Berlin

Die Mehrzahl der Beteiligten war den Radiohörerinnen und Radiohörern in Berlin und Brandenburg seit Jahren bekannt – etwa die inzwischen verstorbene populäre Fernsehmoderatorin Juliane Bartel, der bekannte Klassik-Moderator Dr. Dietrich Steinbeck oder Florian Barckhausen, lange Zeit Wellenchef des Stadtradios BERLIN 88,8. Als kompetente jüdische Stimme war die Frankfurter Publizistin und Theologin Ruth Lapide beteiligt.

Die CD-Reihe

Ein kleiner Teil der seit 1973 entstandenen Produktionen ist in der Reihe „Hier spricht Radio Tyrus“ auf CD erschienen. Zu jeder CD gehört ein ausführliches, illustriertes Beiheft, das verständlich über die zeitgeschichtlichen Hintergründe der Sendung und die beteiligten Personen informiert. Auf dieser Website gibt es aus jeder der neun Ausgaben eine Hörprobe.

Nach den Hintergrundinformationen zu Radio Tyrus (Pressemitteilung) und den CD-Beiheften.

Mitwirkende

Die Stimmen von Radio Tyrus

Die meisten Beteiligten waren den Hörerinnen und Hörern in Berlin und Brandenburg seit Jahren bekannt. Rollen und Funktionen laut CD-Beiheft zur „Chronik eines angekündigten Todesurteils“.

  • Manfred Voegele am Mikrofon, Schwarzweißfoto

    Manfred Voegele

    Studiogast

    Rundfunkjournalist, verantwortlich für Konzept, Recherchen und Regie der Sendereihe

  • Juliane Bartel am Mikrofon, Schwarzweißfoto

    Juliane Bartel

    Moderatorin

    Fernseh-Moderatorin („3 nach 9“, N3; „Alex“, B1)

  • Florian Barckhausen am Mikrofon, Schwarzweißfoto

    Florian Barckhausen

    Reporter

    Programmchef SFB Stadtradio BERLIN 88,8

  • Inge Bongers am Mikrofon, Schwarzweißfoto

    Inge Bongers

    Gesellschafts­reporterin

    Theater- und Filmkritikerin

  • Petra Castell am Mikrofon, Schwarzweißfoto

    Petra Castell

    Römische Magd

    Leiterin der SFB-Theaterredaktion

  • Michael Clausing am Mikrofon, Schwarzweißfoto

    Michael Clausing

    Reporter

    Chef vom Dienst, SFB Stadtradio BERLIN 88,8

  • Jürgen Gressel am Mikrofon, Schwarzweißfoto

    Jürgen Gressel

    Gerichts­reporter

    Redakteur SFB-Kirchenfunk

  • Ruth Lapide am Mikrofon, Schwarzweißfoto

    Ruth Lapide

    Jesus-Anhängerin

    Jüdische Theologin und Publizistin

  • Detlev E. Otto am Mikrofon, Schwarzweißfoto

    Detlev E. Otto

    Bericht­erstatter

    Langjähriger Literaturredakteur RIAS Berlin

  • Jörg Schumacher am Mikrofon, Schwarzweißfoto

    Jörg Schumacher

    Reporter

    Wortchef SFB Stadtradio BERLIN 88,8

  • Prof. Dr. Dietrich Steinbeck am Mikrofon, Schwarzweißfoto

    Prof. Dr. Dietrich Steinbeck

    Rom-Korrespondent

    Theaterkritiker, Klassik-Moderator

Pressestimmen

Das war ein schönes und eindrucksvolles Beispiel für das, was Hörfunk vermag, wenn er Geschichte mit aktuellen Mitteln transponieren will.

Peter Wapnewski, Germanist

Meilenweit entfernt von jeder erbaulichen Biederkeit und bekehrend erhobenen Zeigefingern bekommt die Bibel eine phantastische Lebendigkeit.

Ute Henning, Rezension „Hörwelt“, 1998

Eine erfreulich unverkrampfte Mischung aus Bibelkunde und parodistischer Selbstreflexion des Mediums Radio und seiner Vermittlungsformen.

Die Presse, „Wenn Bücher klingen“, 2000

Die Produktionen sind in ihrer Wirkung so aktuell, als wäre der Hörer mitten im Geschehen.

hoerOthek.de

Wenn ‚Radio Tyrus‘ sendet, dürfte auch der letzte Bibelfeind aufhorchen. Meine Empfehlung: Hinsetzen und zuhören!

Ute Henning, Rezension „Hörwelt“, 1998

Hörsinnig gut!

hoerOthek.de, Bestenliste 2003
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