CD-Cover „Hier spricht Radio Tyrus“, Volume 1: Chronik eines angekündigten Todesurteils

Chronik eines angekündigten Todesurteils

Der Prozess gegen Jesus von Nazareth in einer Live-Sendung aus dem Jahre 32 n. Chr.

Hörprobe „Jesus und Barabbas“

0:00 / 2:50
Schauplatz
Jerusalem
Zeit
32 n. Chr.
Beiträge
17 Titel
Gesendet
Karfreitag 1998, dreistündiges Programm im Stadtradio BERLIN 88,8 des Senders Freies Berlin

Worum es geht

Der Prozess gegen Jesus von Nazareth in einer Live-Sendung aus dem Jahre 32 nach Christus. In Reportagen, Studiogesprächen und Korrespondentenberichten werden die Stunden des Vormittags an jenem ersten Karfreitag lebendig, an dem jüdische Behörden und der römische Statthalter Pontius Pilatus das Todesurteil über Jesus von Nazareth fällten.

Als Jesus zum Passahfest nach Jerusalem kommt, empfangen ihn seine Landsleute aus Galiläa mit einem übermütigen Triumphzug. Mehr als hunderttausend Pilger sind aus allen Teilen des Römischen Reiches angereist, um das größte jüdische Fest in der Heiligen Stadt zu feiern. Eine Woche lang verkündet ihnen Jesus seine Botschaft von der Liebe Gottes, ständig bewacht von Spitzeln der jüdischen Glaubensbehörde. Sie suchen nach Beweisen, um den unbequemen Prediger als Ketzer anzuklagen. Jesus stellt sich der Konfrontation: In einer drastischen Symbolhandlung fällt er über den Kultwaren-Markt des Tempels her und vertreibt die Händler aus dem Heiligtum. Die jüdische Führung fürchtet, der Armenprediger aus Nazareth könnte zur Leitfigur aller Unzufriedenen im Land werden und die schwierige politische Balance mit der Römischen Besatzungsmacht gefährden. So fasst der Hohe Rat in Jerusalem einen Grundsatzbeschluss: Besser, einen Einzelnen zu opfern als das ganze Volk ins Unglück laufen zu lassen.

Pressestimmen

Die mitreißende, aber auch erschreckende Gegenwärtigkeit des Prozesses zeigt, dass diese Geschichte so alt gar nicht ist.

Ute Henning, Rezension „Hörwelt“, 1998

Liebevoll aufbereitet wird die Gratwanderung bewältigt, dieses Thema so anzugehen, dass es seine Würde behält, aber gleichzeitig so spannend wie eine Liveberichterstattung von der Watergate-Affäre bleibt.

Ute Henning, Rezension „Hörwelt“, 1998

Sehr interessant gemacht, innovativ und brisant – und eine besondere Art, dieses doch recht oft behandelte Thema neu anzufassen. Man hört Liveberichte aus Kaiphas’ Palast, Augenzeugenberichte und Expertenkommentare.

hoerOthek.de

Das war ein schönes und eindrucksvolles Beispiel für das, was Hörfunk vermag, wenn er Geschichte mit aktuellen Mitteln transponieren will, und ich wiederhole meinen von Bewunderung grundierten aufrichtigen Glückwunsch.

Peter Wapnewski, Germanist

Hörprobe zum Nachlesen: „Jesus und Barabbas“

Textfassung der Hörprobe (2:50 Min.). Maschinell transkribiert und redaktionell überarbeitet; einzelne Namen und Wendungen können vom gesprochenen Original abweichen.

Textfassung anzeigen

Die Stimmung hier im Gerichtshof, die heizt sich deutlich auf. Jesus von Nazareth, der ist offenbar durch einen Nebeneingang hier in den Palast von Pontius Pilatus zurückgebracht worden. Es sind inzwischen auch die Drahtzieher dieses Prozesses hier, die Herren vom Hohen Rat, die stehen ganz nah am Gerichtspodest. Wahrscheinlich wollen sie, dass ihnen nachher kein Wort entgeht. Ich sehe den Hohepriester Kaiphas in heftige Diskussionen verwickelt.

Ich kann nicht genau erkennen, ob hier auch Anhänger von Jesus von Nazareth sind. Jedenfalls geben sie sich im Moment nicht zu erkennen. Aber das wird sich sicher bald herausstellen. Übrigens ist hier ganz seltsames Wetter. Es kommt mir fast so vor, als würde sich der Himmel verdunkeln. Ein ganz eigenartiges Zwielicht. Und das lässt die ganze Szenerie hier fast ein wenig gespenstisch erscheinen.

Oben auf dem Gerichtspodest, da geht übrigens jetzt gerade eine Tür auf. Zwei Soldaten, die führen Barabbas heraus. Das ist ein jüdischer Terrorist, der im Untergrund gearbeitet hat. Der hat Wunden im Gesicht und auch auf den Armen – mit den Gefängnisaufsehern ist hier ja nicht zu spaßen. Aber so sieht kein gebrochener Mann aus. Er hebt seine gefesselten Hände, und das gefällt der Menge. Sie hören es: Sprechchöre formieren sich.

Sie führen auch Jesus auf das Podest. Man hat ihm einen roten Mantel umgeworfen, scheint ein römischer Offiziersmantel zu sein. Er sieht schlimm aus, blutüberströmt. Die Verhöre wurden offensichtlich mit absoluter Härte geführt. Auf dem Kopf hat er einen Kranz. Das ist Spott, offener Spott. Er versucht etwas zu sagen. Ich kann nicht genau verstehen, was es ist.

Aber offensichtlich soll die Menge hier entscheiden, wer freigelassen werden soll. Jesus oder Barabbas – das soll das Volk hier wohl entscheiden. Pilatus zeigt nun auf Barabbas. Er hebt wieder die Hände. Ich kann sehen, dass die Priester Zeichen geben. Sie feuern die Leute richtig an, heben auch die Arme und dirigieren das. Pilatus zeigt nun auf Jesus. Sie hören es: Er hat keine Chance. Er steht die ganze Zeit ruhig da. Er lässt das über sich ergehen. Keine Verteidigung. Pilatus wollte offenbar erst mal die Stimmung sondieren. Innen wird es jetzt sicherlich noch weitere Beratungen geben.

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