Es begab sich aber zu der Zeit …

Zwei Radiosendungen aus Bethlehem zur Zeit des Kaisers Augustus

Kurzfilm „Nachrichten“ 3:39 Min. · mit Untertiteln

Bilder KI-generiert, angelehnt an die Vorlagen im CD-Beiheft (römische Reliefs, Blick über Bethlehem, Häuser in Bethlehem). Ton: Original-Hörprobe.

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Hörprobe „Nachrichten“

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Schauplatz
Bethlehem
Zeit
Zeitenwende
Beiträge
36 Titel

Worum es geht

Kaiser Augustus hat eine Volkszählung angeordnet, in Bethlehem herrscht Aufregung, und in Jerusalem beraten drei Astrologen über einen seltsamen Stern. In zwei Sendungen – „Das Kind“ und „Der Mord“ – erzählt Radio Tyrus die Weihnachtsgeschichte ohne vertraute Krippenidylle: von den Hirtenfeldern über das Volkszählungsbüro bis zur Militäraktion des Herodes.

Ausführlicher Hintergrund: die Texte aus dem CD-Beiheft

Pressestimme

Meilenweit entfernt von jeder erbaulichen weihnachtlichen Biederkeit und bekehrend erhobenen Zeigefingern bekommt die Bibel eine phantastische Lebendigkeit.

Ute Henning, Rezension „Hörwelt“, 1998

Begleitheft zur CD · Vol. 3

Aus dem Beiheft

Die Begleittexte und Abbildungen aus dem gedruckten Heft zur CD „Es begab sich aber zu der Zeit …“. Der Wortlaut folgt dem Heft einschließlich seiner Schreibweisen; nur die Typografie wurde vereinheitlicht und offensichtliche Druckfehler wurden berichtigt.

Kapitel 1 Es begab sich…

Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kayser Augusto ausgieng, daß alle Welt geschätzet würde.

2. Und diese Schatzung war die allererste, und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war.

3. Und jederman gieng, daß er sich schätzen liesse, ein jeglicher in seine Stadt.

4. Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das Jüdische Land, zu der Stadt David, die da heisset a) Bethlehem, darum, daß er von dem Hause und Geschlechte Davids war,

5. Auf daß er sich schätzen liesse mit Maria, seinem vertraueten Weibe, die war schwanger.

6. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte.

7. Und sie gebar ihren ersten Sohn, und wickelte ihn in Windeln, und legte ihn in eine Krippen, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Die ersten Worte der Weihnachtsgeschichte klingen so, als sollte nun ein Märchen erzählt werden: „Es war einmal…“. Richtig ist: Diese Erzählungen sind keine Tatsachenberichte. Kein Zeitzeuge war dabei, als jenes Kind geboren wurde, das später als Jesus von Nazareth die Welt verändern sollte. Und die Geschichten über die Geburt im Stall von Bethlehem, über den Besuch der Weisen aus dem Morgenland und über den Kindermord des Herodes sind erst zu einer Zeit aufgeschrieben worden, als die Ära des großen Augustus schon in legendärer Vergangenheit lag.

Die ersten Christen haben sich wenig für die Umstände der Geburt ihres Erlösers interessiert. Ihnen reichten die Grundtatsachen, die der erste große Missionar des christlichen Glaubens, Paulus von Tarsus, in einem seiner frühen Briefe so beschreibt: „Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn: Ein Mensch, von einem Weib geboren und unter das Gesetz getan…“.

Einer späteren Generation von Christen scheint dies nicht ausgereicht zu haben. Sie wollten biografische Details. So machten sich die Chronisten auf die Suche nach solchen Überlieferungen. Aus vielen legendären Darstellungen wählten sie die Berichte aus, die heute in der Bibel stehen.

Anders als viele wunderhaft übersteigerte Geburtsberichte der Großen jener Zeit halten sich die biblischen Weihnachtsgeschichten nüchtern an die theologische Grundaussage, die der Missionar Paulus von Tarsus formuliert hat: Der kommende Erlöser ist kein übernatürliches Gottwesen, sondern ein Mensch, von einer natürlichen Mutter geboren und den Zwängen und Machtverhältnissen dieser Welt ausgesetzt. Seine Geburt ist von staatlicher Willkür überschattet und findet in primitivsten Verhältnissen statt. Und doch wird in aller Armut und Unscheinbarkeit zeichenhaft schon die Berufung des Kindes sichtbar: In den Hirten erkennt man die Verachteten der Gesellschaft, an die sich später seine Botschaft richten wird. Die Sterndeuter aus dem Orient sind nur die ersten Vertreter der Nationen und Kulturen, die einmal von dieser Botschaft erreicht werden.

„Die Zeit ist erfüllt…“ – mit diesem Satz wird der junge Prediger Jesus von Nazareth einmal unter die Menschen treten. Die Originaltexte der biblischen Weihnachtsgeschichte beschreiben in illusionslosen Bildern, wie die Zeit aussah, die in seinen Augen für eine radikale Wende, für einen grundsätzlichen Neuanfang reif war. Es lohnt sich, die vertrauten Bilder unseres traditionellen Weihnachtsfestes einmal für kurze Zeit beiseitezulassen und sich die alten Geschichten in der Umgebung vorzustellen, in der sie vor knapp 2000 Jahren entstanden sind.

Kapitel 2 …dass alle Welt geschätzet würde…

Schwarzweißfoto eines antiken Steinreliefs: Links steht ein Mann in Tunika und Mantel und hebt die rechte Hand; vor ihm stehen dicht gedrängt mehrere Soldaten mit Schuppenpanzern und Helmen, im Hintergrund Feldzeichen und Lanzen.
Befehlsausgabe an römische Soldaten. Relief am Konstantinsbogen in Rom.

Nach Römischem Recht ging der Grund und Boden aller besetzten Gebiete grundsätzlich in den Besitz des Römischen Volkes über. Seine Besteuerung bildete die Grundlage des ganzen kolonialen Abgabesystems, aus dem das Reich seine Finanzmittel bezog. Bei der in der Weihnachtsgeschichte beschriebenen „Schätzung“ handelt es sich um eine erste gründliche und umfassende Ermittlung solcher Steuergrundlagen. Sie wurde auf Befehl des Kaisers Augustus zu jener Zeit schrittweise in allen Römischen Provinzen durchgeführt.

Praktisch handelte es sich um eine Art Volkszählung, verbunden mit einer genauen Vermessung und Ertragswert-Klassifizierung aller Grundstücke. Eine eindeutige juristische Klärung der Eigentumsverhältnisse wurde vorgenommen. In Palästina befand sich ein großer Teil des Bodens seit alter Zeit in kollektivem Familienbesitz. Hier war der jeweilige Sippenälteste verpflichtet, die Angehörigen seines „Hauses“ zu einem bestimmten Meldetag am Stammsitz der Sippe zu versammeln.

Für den Vorderen Orient war der Römische Senator und Ex-Konsul Publius Sulpicius Quirinius (Cyrenius) für die Volkszählung verantwortlich, eine Art Vizekönig für die ganze östliche Reichshälfte. In seinem Auftrag zog die „Zensus-Kommission“ von Ort zu Ort – ein etwa zwanzigköpfiges Spezialisten-Team, unterstützt durch eine Karawane von Landvermessern, Kartographen, Schreibern, Verhörbeamten, Ordnungs- und Hilfskräften. Katasterblätter und Personenkarteien wurden angelegt, Steuererklärungen abgegeben, unterschrieben und mit dem Kaisereid beschworen.

Die Papiere wurden dreifach ausgefertigt: Ein Satz blieb am Ort, einer ging an die Provinz-Steuerverwaltung, einer nach Rom. Gab es wie im Reich des Herodes schon ein überkommenes Steuersystem, so hatten die einheimischen Beamten mit ihren Akten zu Auskunft und Hilfsdiensten bereitzustehen.

Spätere Berichte schildern, dass es dabei nicht zimperlich zuging. Die Steuererfassung verlangte faktisch von jedem Bürger in den Kolonial-Provinzen, dass er der Enteignung seines von den Vätern ererbten Gutes auch noch schriftlich zustimmte. Das hat in vielen betroffenen Ländern Aufstandsbewegungen verursacht. In Judäa galt zudem der dabei verlangte Kaisereid als religiöser Tabubruch. So war die Steuerschätzung für viele fanatisch konservative und politisch-messianische Juden ein Grund, den Steuereid zu verweigern und sich antirömischen Widerstandsbewegungen anzuschließen. Einige, wie die sogenannten „Zeloten“ sind aus diesem Anlass neu entstanden. Auch wer als braver Bürger dem Befehl zur Steuererfassung nachkam, konnte ins Visier solcher fundamentalistischen „Freiheitskämpfer“ kommen. So waren mit einer Steuerschätzung immer auch umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen verbunden.

Kapitel 3 Anno 300 n. Chr.: Bericht über eine römische Steuer-Schätzung

Foto einer kleinen dunklen Steinfigur: Ein Mann mit Kopftuch sitzt mit untergeschlagenen Beinen auf einem Sockel, die Hände auf dem Schoß.

„Die Zensusbeamten erschienen allerorts und brachten alles in Aufruhr. Die Äcker wurden Scholle für Scholle vermessen, jeder Weinstock, jeder Obstbaum wurde gezählt, die Kopfzahl der Menschen wurde notiert. Die Bevölkerung wurde in den Städten zusammengetrieben, alle Marktplätze waren verstopft von herdenweise angetretenen Familien, jedermann erschien mit der ganzen Schar seiner Kinder und Sklaven. Überall hörte man das Schreien derer, die mit Foltern und Stockschlägen verhört wurden, man spielte die Söhne gegen die Väter aus und presste die treuesten Sklaven zu Aussagen gegen ihre Herren, die Frauen gegen ihre Ehemänner. Es gab keine Rücksicht auf Alter und Gesundheitszustand, alles war erfüllt von Kummer und Jammergeschrei…“

(Lactantius: De mortibus persecutorum)

Kapitel 4 …die da heißet Bethlehem…

Der kleine Ort liegt etwa 8 Kilometer südlich von Jerusalem auf einem Hügelrücken, von der Stadt getrennt durch ein tief eingeschnittenes Tal. Zur Zeit der Geburt Jesu war Bethlehem ein kleiner Marktflecken mit etwa tausend Einwohnern, unbedeutend neben der nahen Metropole, die man mit ihrem Tempelberg bei gutem Wetter wie ein Schneegebirge in der Mittagssonne leuchten sah. Anders als die durch König Herodes ganz im griechischen Stil erneuerte Hauptstadt bot Bethlehem eher ein orientalisches Bild: Hochummauerte Gehöfte drängten sich an schmalen Treppenwegen. Das Leben spielte sich in den Innenhöfen ab, wo Menschen und Tiere sich auf engem Raum zusammendrängten.

Kontrastreiches Schwarzweißfoto einer kahlen, stark zerfurchten Hügellandschaft mit Terrassen im Vordergrund, die sich bis zum Horizont fortsetzt.
Blick vom Westen über Bethlehem. Nach Osten geht das Gelände in die Judäische Wüste über, im Hintergrund das Tote Meer.

Bethlehem – der Name bedeutet „Haus des Brotes“. Das Land ist grün und fruchtbar. Das judäische Bergland im Hintergrund war zu Jesu Zeit noch mit dichtem Wald überzogen – ein ideales Rückzugsgebiet für Räuberbanden und antirömische Widerstandsgruppen. An den Hängen wuchsen Feigen, Oliven und Wein. Die nahe Hauptstadt und die am Ort vorbeiführende Handelsroute nach Ägypten begünstigten Handel und Landwirtschaft.

Bekannt wurde Bethlehem durch seinen berühmtesten Sohn: König David, der rund 800 Jahre vor Christi Geburt das Volk der Juden einte und zu nie mehr erreichter Macht und Größe führte. Er wurde in Bethlehem geboren und hütete hier als junger Mann die Herden seines Vaters. Dass Gott ihm nach den biblischen Schriften ein „ewiges Königreich“ versprochen haben soll, hat die Hoffnungen des jüdischen Volkes über die Jahrhunderte wach gehalten: Ein neuer Herrscher aus dem Geschlecht Davids sollte kommen, der das Volk aufs neue eint und befreit und es zu alter Macht und Größe führt. Als die drei Sterndeuter aus dem Orient in Jerusalem ankommen und nach einem „neugeborenen König der Juden“ fragen, zitieren die Schriftgelehrten eine alte Propheten-Weissagung: „Und du Bethlehem im jüdischen Lande, du bist keineswegs die kleinste unter den Städten Judas, denn aus dir wird der Herrscher kommen, der mein Volk Israel wie ein Hirte führen und leiten wird.“

Kapitel 5 …keinen Raum in der Herberge

Foto eines Modells oder Hangdorfs: Würfelförmige Steinhäuser mit flachen Dächern, kleinen Türöffnungen und Außentreppen, terrassenartig übereinander gebaut.

Wenn Joseph und Maria aus Anlass der Steuererhebung zu einem Familientreffen nach Bethlehem kamen, mussten sie sicher nicht um Quartier betteln. Natürlich waren die örtlichen Mitglieder der David-Sippe verpflichtet, für die Unterbringung der Gäste zu sorgen. Was in der Bibel „Herberge“ heißt, ist in Palästina der Teil eines Hauses, der für die Beherbergung und Bewirtung von Gästen zur Verfügung steht.

Zu normalen Zeiten wäre dieser Raum für eine Entbindung freigeräumt worden. In dem festlichen Trubel, den auch ein erzwungenes Familientreffen mit sich bringt, war daran nicht zu denken. Unter solchen Umständen bot eine leerstehende warme Stall-Grotte unter dem Haus eine bessere Lösung. Natürlich wurde sie von der Familie gründlich geputzt und mit Teppichen wohnlich gemacht. Der an der Wand hochgemauerte steinerne Futtertrog wurde mit Decken ausgelegt und diente als sauberer und sicherer Schlafplatz für das Kind.

Die Geburt CHristi war aber also gethan: Als n) Maria, seine Mutter, dem Joseph vertrauet war, ehe er sie heim hohlete, erfand sich es, daß sie schwanger war von dem Heiligen Geist.

19. Joseph aber, ihr Mann, war fromm, und o) wollte sie nicht (b) rügen, gedachte aber sie heimlich zu verlassen.

20. Indem er aber also gedachte, siehe, da erschien ihm ein Engel des HErrn im Traum, und sprach: Joseph, du Sohn David! fürchte dich nicht, Mariam, dein Gemahl, zu dir zu nehmen. Denn p) das in ihr geboren ist, das ist von dem Heiligen Geist.

21. Und sie wird einen Sohn gebären, des q) Namen sollt du JEsus heissen, denn r) er wird sein Volck selig machen von ihren Sünden.

22. Das ist aber alles geschehen, auf das erfüllet würde, das der HErr durch den s) Propheten gesagt hat, der da spricht:

23. Siehe, eine Jungfrau wird schwanger seyn, und einen Sohn gebären, und sie werden seinen Namen Emanuel heissen, das ist verdolmetschet: GOtt mit uns!

24. Da nun Joseph vom Schlaff erwachte, that er, wie ihm des HErrn Engel befohlen hatte, und nahm sein Gemahl zu sich.

25. Und erkennte sie nicht, (c) biß sie ihren ersten Sohn gebar, und hieß seinen Namen JEsus.

Kapitel 6 …Joseph aus Nazareth – mit Maria, seinem vertrauten Weibe…

Um die Geburt des Kindes in Bethlehem legt die Bibel ein Geheimnis: Es soll keinen irdischen Vater haben. Die Vorstellung stammt aus den Heroen-Legenden der griechisch-römischen Welt. Der Gedanke an eine göttliche Empfängnis erschien den Menschen dieses Kulturkreises als nichts Ungewöhnliches. Das war die Leserschaft, für die die Weihnachts-Geschichten aufgeschrieben wurden.

Dass das neugeborene Kind dennoch als legitimer Angehöriger der Davids-Familie gilt, hängt mit den familienrechtlichen Verhältnissen im damaligen Palästina zusammen: Die Bibel bezeichnet Maria als die Joseph „anverlobte Braut“. Das war ein Familienstand, der einer Ehe gleichkam, ohne dass die Braut schon in das Haus ihres Mannes gezogen war und mit ihm die Ehe vollzogen hatte. Sie war zur Treue verpflichtet wie eine Ehefrau, stand auch schon unter dem Schutz des Mannes und wurde zu seinem Hausstand gezählt. Dennoch: Eine schwangere „Verlobte“ war auch damals etwas, worüber sich die Leute Gedanken machten. Immerhin wird Jesus selbst in der Bibel manchmal „Sohn der Maria“ genannt.

Maria stammt der Tradition nach aus einem alten jüdischen Priestergeschlecht. Ihre nahe Verwandte Elisabeth war mit einem Priester am Tempel in Jerusalem verheiratet. Joseph war ein Zimmermann aus Nazareth, einer Stadt im Bergland von Galiläa. Zimmerleute sind einfache Wanderhandwerker, die vor allem beim Hausbau Beschäftigung finden. Die Bibel beschreibt Joseph als einen jener galiläischen Frommen, die sich mit intensivem Schriftstudium beschäftigten und danach strebten, ihr privates Leben nach den überlieferten biblischen Ordnungen zu führen.

Ganz in dieser Tradition hat Joseph zu seiner schwangeren Braut Maria gestanden und das Kind nach der Geburt sofort juristisch zu seinem erstgeborenen Sohn und Erben erklärt. Das geschah sinnbildhaft, indem er das Baby auf sein Knie setzte und ihm seinen Namen gab: Jesus (Jeschuah) – das heißt „Gott rettet“. Joseph hat später Maria als Ehefrau in sein Haus genommen und mit ihr noch weitere Kinder bekommen: Vier Brüder und mehrere Schwestern.

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bey denen Hürden, die hüteten des Nachts ihrer Heerde.

9. Und siehe, des HErrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des HErrn leuchtete um sie, und sie furchten sich sehr.

10. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch grosse Freude, die allem Volcke widerfahren wird!

11. Denn euch ist heute der Heyland geboren, welcher ist Christus, der HERR in der Stadt David.

12. Und das habt zum Zeichen, ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt, und in einer Krippen liegen.

13. Und alsbald war da bey dem Engel die Menge derer himmlischen Heerschaaren, die lobeten GOtt, und sprachen:

14. Ehre sey GOtt in der Höhe, und Friede auf Erden; und denen Menschen ein (b) Wohlgefallen.

15. Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten unter einander: Lasset uns nun gehen gen Bethlehem, und die Geschicht sehen, die da geschehen ist, die uns der HErr kund gethan hat.

16. Und sie kamen eilend, und fanden beyde Mariam und Joseph, darzu das Kind in der Krippen liegen.

17. Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war.

18. Und alle, für die es kam, wunderten sich der Rede, die ihnen die Hirten gesaget hatten.

19. Maria aber behielt alle diese Worte, und bewegte sie in ihrem Hertzen.

20. Und die Hirten kehreten wieder um, preiseten und lobten GOtt um alles, das sie gehöret und gesehen hätten, wie denn zu ihnen gesaget war.

Rote Strichzeichnung im Holzschnittstil: Ein kniender Engel mit großen Flügeln, Heiligenschein und langem Gewand hebt die rechte Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger.

Kapitel 7 …Hirten auf dem Felde…

Die Fruchtbarkeit seiner Felder verdankt Bethlehem dem Winterregen, der vom Meer heraufzieht und sich an seinen westlichen Berghängen abregnet. Hinter der Hügelkette fällt der Niederschlag nach Osten rapide ab. Gleich hinter den letzten Feldern Bethlehems beginnt die Wüste Juda, die sich bis zum Toten Meer hinstreckt.

Die Randzonen sind im Frühjahr grün, dann treibt man Schafe und Ziegen bis weit in die Wüste hinein. Im Herbst und Winter bleibt das Kleinvieh in der Nähe der Ortschaften und weidet die abgeernteten Felder ab. Nachts werden die Herden in „Hürden“ oder Pferche getrieben, um sie vor wilden Tieren und Räubern zu schützen. Für schuldhaft verlorene Tiere waren die Hirten den Eigentümern ersatzpflichtig, deshalb blieb in der Nacht immer eine Wache bei der Herde.

Hirten waren verachtete Leute. Sie waren Lohnabhängige und lebten am unteren Rande des Existenzminimums. Sie galten als unehrlich, und es hieß, sie nähmen es mit dem Eigentum nicht so genau. Die Juden jener Tage ließen Hirten deshalb vor Gericht nicht als Zeuge zu und nannten sie in einem Atemzug mit Terroristen, Zöllnern und Steuereintreibern. In einem rabbinischen Sprichwort heißt es: „Der Mensch lasse seinen Sohn nicht ausbilden zum Eseltreiber oder Kamelführer, zum Barbier oder Schiffer, zum Krämer oder Hirten, denn das alles ist das Handwerk der Räuber.“

Foto eines antiken Steinreliefs: Links ein sitzender Hirte mit lockigem Haar, vor ihm mehrere Schafe zwischen stilisierten Bäumen.
Dunkle Radierung: Links oben bricht aus Wolken ein Lichtkegel mit vielen kleinen Engelsfiguren, darin schwebt ein großer Engel mit ausgebreiteten Armen; darunter eine dunkle Landschaft mit Bäumen, unten rechts erschrockene Hirten und fliehende Tiere.

Kapitel 8 …und siehe, Gottes Engel trat zu ihnen…

Wenn in der Bibel vom „Engel des Herrn“ gesprochen wird, ist damit ein Bevollmächtigter Gottes gemeint, der einem Menschen eine göttliche Botschaft überbringt. Oft tragen solche Boten eine unauffällige menschliche Gestalt. So weiß der biblische Stammvater Abraham zunächst nicht einmal, welch hohen Besuch er erhalten hat. Gottes „Engel“ kommen zumeist ganz ohne übersinnlichen Begleitzauber aus. Es ist die Botschaft, die den Überbringer legitimiert, sie allein steht im Mittelpunkt.

Natürlich hat es auch schon im biblischen Altertum Spekulationen und Phantasien über das Wesen von Engeln und ihre außerirdische Existenz und Gestalt gegeben. Sie sind je zu ihrer Zeit von Vorstellungen beeinflusst worden, die in der Umwelt des jüdischen Volkes vorherrschten. So hat man sich Engel als geflügelte Tiergestalten vorgestellt, als halbmenschliche Mischwesen, als himmlisches Kriegsheer, als riesiger Hofstaat um den Thron des göttlichen Herrschers, als immerwährend anbetendes Gottesvolk.

Ähnlich hat auch später fromme Phantasie das christliche Weihnachtsfest mit den Engel-Bildern ihrer Vorstellungswelt ausgestaltet. Die biblische Weihnachtsgeschichte gibt dazu kaum Anlass. Sie erzählt schlicht von einem Boten Gottes, der wie ein Mensch unter die Hirten tritt. Aber die erschrecken, denn sie erkennen in ihm eine göttliche Vollmacht, die von ihm ausstrahlt wie ein verzehrendes Licht.

„Fürchte dich nicht“ – so beginnen die Engel und Propheten Gottes in der Bibel ihren Botenspruch. Sie machen damit deutlich, dass Gott nicht als unnahbarer Weltenrichter zu ihnen spricht, sondern als liebender, gnädiger Vater. Der Bote auf den Feldern Bethlehems kündet von „großer Freude“ – im Originaltext steht hier „Evangelium“: die Botschaft von einem umfassenden Neuanfang. Nun sei der endzeitliche Retter geboren – der „Heiland“, auf den die Welt so lange gewartet hat. Ein König, aber er liegt in einem Stall im Futtertrog, auf die traditionelle Weise des einfachen Landvolks als Wickelkind verschnürt.

Und dann, so heißt es, sehen die Hirten den Himmel offenstehen. Sie nehmen für einen Augenblick teil an der immerwährenden Huldigung, die die Legionen Gottes ihrem Herrscher darbringen. Das Bild und die Worte entsprechen der weltlichen Herrscher-Liturgie: „Ehre sei dem Allherrscher! Friede dem Erdkreis und allen Menschen, die unter der Sonne seines Wohlgefallen stehen!“

Da JEsus geboren war zu Bethlehem im Jüdischen Lande, zur Zeit des Königes Herodis, siehe, da kamen die (a) Weisen von Morgenlande gen Jerusalem, und sprachen:

2. Wo ist der neugeborne König der Jüden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenlande, und sind kommen ihn anzubeten.

3. Da das der König Herodes hörete, erschrack er, und mit ihm das gantze Jerusalem.

4. Und ließ versammlen alle Hohepriester und Schrifftgelehrten unter dem Volck, und erforschte von ihnen, wo CHristus sollte geboren werden?

5. Und sie sagten ihm: Zu Bethlehem im Jüdischen Lande. Denn also stehet b) geschrieben durch den Propheten:

6. Und du Bethlehem im Jüdischen Lande, bist (b) mit nichten die kleineste unter den Fürsten Juda, denn aus dir soll mir kommen der Hertzog, der über mein Volck Israel ein HErr sey.

Kapitel 9 Wir haben seinen Stern gesehen…

Lange Zeit hat man die Berichte über den Stern von Bethlehem für eine Fabel gehalten. Von vielen Großen der Erde wird erzählt, bei ihrer Geburt sei ein neuer Stern am Himmel erschienen. Und eine alte jüdische Weissagung beschreibt das Kommen des Messias mit den Worten: „Ein Stern wird aus Jakob aufgehen, ein Königszepter wird sich aus Israel erheben.“

Zu Weihnachten 1603 macht der berühmte Astronom Johannes Kepler eine erstaunliche Entdeckung: Die beiden Planeten Jupiter und Saturn stehen ganz nahe beieinander, und zwar im Sternbild der Fische. Kepler erinnert sich an eine rabbinische Weissagung: Dies sei die Sternen-Konstellation, bei der der Messias der Juden erscheinen wird. Er rechnet nach und findet heraus: Dies Zusammentreffen ist nur alle 800 Jahre zu sehen. Und es fand schon einmal zum Zeitpunkt der Geburt Jesu statt – sieben Jahre vor Beginn unserer Zeitrechnung.

Diese sogenannte „Große Konjunktion“ fand schon im Altertum große Beachtung: Jupiter galt als „Königsstern“, das Sternbild der Fische betrachtete man als Symbol der Endzeit. Der Planet Saturn verkörperte vom Orient her gesehen das Volk der Juden. Nach dem astrologischen Verständnis jener Zeit konnte dies also bedeuten: In Palästina sei der König der Endzeit geboren.

Dass man damals den Stand der Gestirne schon sehr genau berechnen konnte, zeigt eine 2000 Jahre alte Keilschrifttafel der Sternwarte von Sippar in Babylon: In einer Jahres-Vorausschau für das Jahr 7 v.Chr. ist hier auch die von Kepler berechnete „Große Konjunktion“ verzeichnet: Sie fand in jenem Jahr dreimal statt, das erstemal im Frühjahr bei Tagesanbruch. „Wo ist der neugeborene König der Juden“ – fragen die drei Weisen – „Wir haben seinen Stern gesehen im Sonnenaufgang…“

Foto eines halbrunden Steinreliefs: In der Mitte die Büste einer Frau mit Schleier und Krone, daneben eine Mondsichel; ringsum ein Band mit zwölf kleinen Bildfeldern der Tierkreiszeichen.
Antike Darstellung der Tierkreis-Symbole Nabatäisch, 1. Jahrhundert n.Chr.

Da berieff Herodes die Weisen heimlich, und erlernte mit Fleiß von ihnen, wenn der Stern erschienen wäre.

8. Und weisete sie gen Bethlehem, und sprach: Ziehet hin, und forschet fleißig nach dem Kindlein: und wenn ihr es findet, so saget mir es wieder, daß ich auch komme, und es anbete.

II. 9. Als sie nun den König gehöret hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenlande gesehen hatten, gieng für ihnen hin, biß daß er kam, und stund oben über, da das Kindlein war.

10. Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreuet,

11. Und giengen in das Hauß, und funden das Kindlein mit Maria seiner Mutter, und fielen nieder, und beteten es an, und thaten ihre Schätze auf, und schenckten ihm Gold, Weyhrauch und Myrrhen.

12. Und GOtt befahl ihnen im Traum, daß sie sich nicht sollten wieder zu Herodes lencken, und zogen durch einen andern Weg wieder in ihr Land.

Kapitel 10 Könige werden kommen und ihre Gaben bringen…

Wer waren die drei geheimnisvollen Besucher aus dem Orient? Die Bibel nennt sie „Magier“, denn wie den Juden galt auch später den Christen alle Sterndeutung als gottlose Zauberei. In der Urheimat der Sternenkunde am Euphrat und Tigris waren Astronomie und Astrologie eine hoch angesehene Wissenschaft. Schon längst war der Himmel in die noch heute bekannten „Häuser“ des Tierkreises eingeteilt. Mit mathematischer Genauigkeit berechnete man den Stand der Gestirne. Astrologen waren noch bis ins Mittelalter hinein Ratgeber von Feldherrn und Königen. Durchaus denkbar, dass sich drei solcher Experten aufmachten, um aus einer wissenschaftlichen Entdeckung Kapital zu schlagen: Wer einem neugeborenen König als Erster huldigte, konnte damit Ehre und Ansehen erwerben.

Foto eines dunklen Steinreliefs: Eine Gestalt liegt tief vornübergebeugt auf dem Boden, das Gesicht nach unten; rechts ein Stück eines Gewandes mit Fransen.
Huldigung eines unterworfenen Königs Assyrisches Relief, 9.Jhdt. v.Chr.

Aber: Am Hof des regierenden Herrschers Herodes ist kein Thronfolger geboren. So zieht die eigenartige Karawane weiter und findet auf märchenhaft klingende Weise das Kind in der Krippe – direkt unter dem Stern. Astronomen von heute bestätigen das: Von Jerusalem aus gesehen haben die Planeten damals am Abend wirklich über Bethlehem gestanden.

Der folgende Huldigungsakt entspricht dem Hofzeremoniell jener Zeit: Wie besiegte Könige werfen sich die Besucher vor dem Kind nieder und bringen ihm ihre Huldigungsgaben – ganz nach dem Psalmwort: „Die Könige von Tarsis und den Inseln sollen Geschenke bringen, alle Könige sollen vor ihm niederfallen und alle Völker ihm dienen“. – Kein Wunder, dass die spätere Tradition aus den drei Weisen die „Heiligen drei Könige“ gemacht hat.

Kapitel 11 Herodes, König der Juden

Foto einer Elfenbeintafel mit Perlstabrahmen: Rechts sitzt ein bärtiger Herrscher und weist mit der Hand; vor ihm hält ein Soldat ein Kind in die Höhe, links heben zwei Frauen klagend die Arme.
Der Kindermord des Herodes Frühchristliches Elfenbeinrelief, 4. Jhdt.

Die Geschichtsschreibung nennt ihn „Herodes den Großen“. Er war kein Jude, sondern stammte aus einem edomitisch-arabischen Fürstengeschlecht. Dem jüdischen Volk, über das ihn die Römer als König eingesetzt hatten, bescherte er nach endlosen blutigen Bürgerkriegen einen dreißigjährigen Frieden. Wirtschaft und Handel blühten, überall im Land ließ Herodes moderne Städte, Paläste und kommunale Bauten errichten. Vor allem erneuerte er den Tempel in Jerusalem als strahlendes Zentrum für die Juden aller Welt.

Herodes wollte sein Land zu einer neuen Führungsmacht der römisch-hellenistischen Kultur machen. Aber er stieß mit dieser Politik auf den erbitterten Hass der traditionalistischen Mehrheit im Jüdischen Volk. Immer wieder standen messianische Bewegungen gegen ihn auf, die er mit Blut und Terror niederhalten musste. In blinder Verschwörungsangst rottete Herodes schließlich fast seine eigene Familie aus. Am Ende verlor er sogar die Gunst seines römischen Förderers und Kaisers Augustus.

Für die Ermordung unschuldiger Kinder in Bethlehem gibt es neben der Bibel keinen zuverlässigen Beleg. Die Tat passt aber ins historische Umfeld: Im Jahr der Jesus-Geburt ließ Herodes zwei seiner Söhne wegen Hochverrat erdrosseln und eine Gruppe von dreihundert oppositionellen Offizieren und Hofleuten liquidieren. Als sechstausend fromme Pharisäer den Eid auf den Römischen Kaiser verweigerten, antwortete Herodes mit einer Hinrichtungswelle. Welche Reaktion mochte da das Gerücht auslösen, in Bethlehem sei ein Kind geboren, das von den Menschen schon jetzt als kommender König und Messias aus dem Hause David verehrt werde…?

Da sie aber hinweg gezogen waren, siehe, da erschien der Engel des HErrn dem Joseph im Traum, und sprach: Stehe auf, und nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir, und fleuch in Egyptenland, und bleib allda, biß ich dir sage. Denn es ist fürhanden, daß Herodes das Kindlein suche, dasselbe umzubringen.

14. Und er stund auf, und nahm das Kindlein und seine Mutter zu sich, bey der Nacht, und entwich in Egyptenland,

15. Und blieb allda, biß nach dem Todte Herodis. Auf daß erfüllet würde, das der HERR durch den Propheten gesaget hat, der da c) spricht: Aus Egypten habe ich meinen Sohn geruffen.

IV. 16. Da Herodes nun sahe, daß er von denen Weisen betrogen war, ward er sehr zornig, und schickte aus, und ließ alle Kinder zu Bethlehem tödten, und an ihren gantzen Grentzen, die da zweyjährig und drunter waren, nach der Zeit, die er mit Fleiß von denen Weisen erlernet hatte.

17. Da ist erfüllet, das gesaget ist von dem Propheten Jeremia, der da d) spricht:

18. Auf dem Gebürge hat man ein Geschrey gehöret, viel Klagens, Weinens und Heulens. Rahel beweinete ihre Kinder, und wollte sich nicht trösten lassen, denn es war (c) aus mit ihnen.

Hörprobe zum Nachlesen: „Nachrichten“

Textfassung der Hörprobe (3:39 Min.), die auch den Ton des Kurzfilms bildet. Maschinell transkribiert und redaktionell überarbeitet; einzelne Namen und Wendungen können vom gesprochenen Original abweichen.

Textfassung anzeigen

Hier ist der phönizische Rundfunk Radio Tyrus. Sie hören Nachrichten.

Arretium. In seinem etruskischen Heimatort verstarb in der vergangenen Woche der bekannte Politiker, Lebemann und Kunstförderer Maecenas. Das Römische Reich verliert mit ihm einen Mann, der sich sein Leben lang mit ganzem Herzen für andere einsetzte. Nach der Ermordung Julius Caesars und der folgenden Bürgerkriege hatte der Multimillionär in Vertretung seines Freundes Octavian wiederholt die inneren Angelegenheiten Roms geordnet. Als dieser zum Kaiser mit dem Beinamen Augustus aufgestiegen war, zog sich Maecenas ins Privatleben zurück, nutzte aber seine Verbindung zum Hof zur Fürsprache für viele Bedürftige. Aus seinem Privatvermögen unterstützte er junge Künstler und Wissenschaftler. Dichter wie Horaz und Vergil verdanken ihm ihren Aufstieg zum Weltruhm.

Alexandria. Immer mehr Bewohner der griechisch besiedelten Großstädte im Reich streben danach, das römische Bürgerrecht zu erwerben. Manchen wird es wegen ihrer Verdienste vom Staat verliehen. Sehr viele aber erwerben es dadurch, dass sie große Summen für wohltätige Zwecke spenden. Diese Tatsache hat Kaiser Augustus veranlasst, das Staatsbürgerschaftsrecht neu zu ordnen. So soll das Privileg der Steuerfreiheit für solche römischen Neubürger nicht gelten, die sich in ihre Staatsbürgerschaft praktisch eingekauft haben. Rom, so der Kaiser, sei keine Steueroase für Neureiche, die sich aus der Sozialbindung des Eigentums davonstehlen wollen.

Rom. Ein Fall von sexuellem Missbrauch erschüttert den bisher unbescholtenen Kultverein der Isisverehrer. Ein mit einem Vogelkopf maskierter Priester soll einer Gläubigen, die sich ihm in frommer Ergebenheit genähert hatte, über alle Schamgrenzen hinaus göttliche Zuwendung gespendet haben. Der Fall wird einer Senatskommission vorgelegt. Diese soll nun entscheiden, ob die Gegenbehauptung der Kultgemeinde zutrifft, die Frau habe den Priester verführt und so seine kultische Unreinheit verschuldet.

Caesarea. Den Tagelöhnern im Reich des Königs Herodes ging es noch nie so gut wie heute. Das geht aus einer neuen Statistik hervor, die in der von Herodes neu erbauten jüdischen Hafenstadt veröffentlicht wurde. Danach kann ein Arbeiter mit täglichen Einkünften von rund 40 Pfennigen rechnen. Eine bescheidene Mahlzeit kostet dagegen nur etwa 2 Pfennige. So könne ein Familienvater durchaus eine zehnköpfige Familie ernähren und noch etwas für schlechte Zeiten zurücklegen.

Bethlehem in Judäa. Als sektiererischen Unsinn und alkoholbeflügeltes Hirngespinst hat ein Pressesprecher des jüdischen Königs Herodes die Gerüchte bezeichnet, am Himmel über Bethlehem seien in der vergangenen Nacht Engel erschienen. Nach Ermittlungen der Sicherheitsbehörden habe eine Gruppe halbidiotischer Schafhirten zu mitternächtlicher Stunde laut randaliert und unbescholtene Bürger mit der Nachricht erschreckt, der Heiland der Welt sei in Bethlehem geboren worden. Nach den Mitgliedern der Gruppe werde gegenwärtig gefahndet. Sie sollen unter starkem Alkoholeinfluss gestanden haben. Dadurch enthemmt, seien sie schließlich so weit gegangen, ein in einem Stall untergebrachtes Paar mit einem neugeborenen Kind gewaltsam zu überfallen und der erschrockenen jungen Familie eine Art religiöser Huldigung aufzudrängen.

So weit die Nachrichten von Radio Tyrus. Folgen Sie nun bitte weiter unserem aktuellen Programm aus Bethlehem im Reich des Königs Herodes.

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