CD-Cover „Hier spricht Radio Tyrus“, Volume 8: Johannes der Täufer – Tod eines Propheten

Johannes der Täufer – Tod eines Propheten

Live-Sendung von einem Fest des Herodes Antipas im Jahre 30 n. Chr.

Hörprobe „Der Tanz der Salome“

0:00 / 2:44
Schauplatz
Galiläa
Zeit
30 n. Chr.
Beiträge
18 Titel

Worum es geht

„Der Größte unter allen Propheten“ - so hat Jesus von Nazareth voller Hochachtung seinen Lehrer Johannes den Täufer genannt. Der charismatische Prediger, der zu Beginn unserer Zeitrechnung ein ganzes Volk in seinen Bann zog, hat dennoch in der Nachwelt nicht die Anerkennung gefunden, die seiner Bedeutung entspricht. Die christliche Überlieferung ließ ihn hinter dem Mann aus Nazareth ins zweite Glied zurücktreten. So erscheint uns Johannes der Täufer heute eher als bloßer Vorläufer und Hinweisgeber auf den eigentlichen Heilsbringer Jesus Christus, mit dem die Geschichte Gottes unter den Menschen neu beginnen sollte.

Die Mehrzahl seiner Zeitgenossen hat das wohl anders gesehen. Der jüdische Historiker Flavius Josephus schweigt in seinen Werken über Jesus von Nazareth. Den Buß-Propheten vom Jordan hält er durchaus für erwähnenswert: „...ein edler Mann, der die Juden anhielt, nach Vollkommenheit zu streben, indem er sie ermahnte, Gerechtigkeit gegeneinander und Frömmigkeit gegen Gott zu üben und so zur Taufe zu kommen...“. Josephus spricht wie die Bibel von einer „wunderbaren Anziehungskraft solcher Reden“ und von einer „gewaltigen Menschenmenge“, die zu Johannes strömte. Dies sei der Grund gewesen, weshalb der jüdische Regionalfürst Herodes Antipas den Täufer einkerkern und hinrichten ließ. Er habe befürchtet, „das Ansehen dieses Mannes, dessen Rat allgemein befolgt zu werden schien, möchte das Volk zum Aufruhr treiben.“

Die Umstände dieses Todes haben die menschliche Phantasie über zwei Jahrtausende hinweg beschäftigt. Eine märchenhafte Kolportage-Geschichte um einen fürstlichen Ehebruch und einen erotischen Schleiertanz, nach dem schließlich das Haupt des Propheten der halbwüchsigen Tänzerin auf einer Schale gereicht wird. Unzählige Maler, Schriftsteller und Komponisten, haben dieses grausige Bild mit immer neuen Farben ausgeschmückt. Andere haben sich durch das exzentrische Auftreten des Täufers inspirieren lassen: Ein wilder Wüsten-Asket mit ungeschorenen Haaren, der nichts trug als einen groben Fellmantel und der sich – glaubt man der Bibel – von Heuschrecken und wildem Honig ernährte.

Das eigentliche Werk des Täufers tritt dahinter fast zurück: Er war es, der mit seinem Auftreten und seiner Botschaft die große Zeitwende einleitete – den religiösen Neuanfang, der von Palästina aus die Welt verändern sollte. Die Botschaft des Jesus von Nazareth baut auf dem auf, was Johannes der Täufer begonnen hat.

Hörprobe zum Nachlesen: „Der Tanz der Salome“

Textfassung der Hörprobe (2:44 Min.). Maschinell transkribiert und redaktionell überarbeitet; einzelne Namen und Wendungen können vom gesprochenen Original abweichen.

Textfassung anzeigen

Ja, es ist ein wundervolles Gleichgewicht zwischen Zurückhaltung, Verstecken und Offenheit, jetzt gerade so zwischen Verbergen und Enthüllen. Also, ich bin sehr begeistert, Inge Bongers.

Ja, ja, also das ist auch dieses – wenn ich dieses Gefuchtel mit dem Schleier hier sehe: Das heißt ja immer, sie weben damit Muster. Es gibt ungeheure Interpretationen, was jedes Winken mit welchem Lappen bedeutet. Man kann das ja bis zu sieben machen, wie wir hier sehen. Aber vielleicht lassen wir das mal später einen der Juroren, vielleicht den Dr. Steinbeck, erklären.

Ja, also der Tanz neigt sich jetzt langsam dem Ende. Die Tänzerin verbeugt sich. Es ist ein ungeheurer Beifall, der hier aufbrandet, und ich kann nur sagen: Diese Tänzerin hat hier, wenn auch nicht Inge Bongers, aber die anwesende Männerwelt außerordentlich beeindruckt. Die Jury hat natürlich noch keine Entscheidung verkündet, aber jetzt steht Pilatus auf und schüttelt Herodes Antipas die Hand. Ich deute das so: Er hat die Wette gewonnen, der Herodes. Antipas platzt fast vor Stolz jetzt. Er hat den Arm um seine nun wieder verschleierte Stieftochter gelegt und nimmt offensichtlich jetzt die Glückwünsche der Gäste an. Ja, er platzt vor Stolz, anders kann man das nicht nennen. Jetzt erhebt er sich, stellt Salome in den Vordergrund, und – ja, das kann ich jetzt nicht hören, was er sagt, aber er verkündet offensichtlich etwas mit großer Geste. Salome senkt den Kopf und flüstert ihm etwas ins Ohr, und – ja, und verschwindet.

Und jetzt kommt der Kollege Dietrich Steinbeck zu mir und kann uns ja Auskunft geben. Also zunächst, Dietrich Steinbeck, Ihr Resümee: Wie war der Tanz?

Ich bin Mitglied der Jury, die Jury hat noch nicht abgestimmt, ich muss mich auch ein bisschen vorsichtig fassen. Wenn ich es so sagen soll: Dieser Tanz bringt die Tanzkunst in eine neue Ära. Vielleicht darf ich es in einem Wort sagen: Die Hetären waren festgebunden an den Kanon des klassischen Tanzes. Dieses hier ist ein neues Kapitel, man wird es, glaube ich, am besten mit „Ausdruckstanz“ bezeichnen können. Salome hat ihre innere Befindlichkeit in diesen Tanz gelegt, das ist ein Bekenntnis. Natürlich hat sie sich in den sieben Schleiern allmählich auch entkleidet, aber dieses war nicht mehr für Voyeure, die Lüsternheit, sondern es war die Reinheit einer Jungfrau, die sich dort darstellte. Und es hatte tief bewegende Momente, und ich hoffe, die Jury erkennt das auch so wie ich.

Ja, wollen wir das in Ihrem Sinne hoffen, Dietrich Steinbeck. Was übrigens hatte Herodes eben so Wichtiges zu verkünden? Das sah ja von hier oben sehr, sehr großspurig aus.

Ich habe das hören können. Herodes hat, ich glaube, ich zitiere es beinahe wörtlich, zu Salome gesagt: „Wünsche dir, was du willst, für diesen Tanz, und koste es“ – ich zitiere wörtlich – „mein halbes Königreich“. Obwohl er nicht mal König ist, sondern nur ein Tetrarch.

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