CD-Cover „Hier spricht Radio Tyrus“, Volume 4: Der Wundertäter

Der Wundertäter

Drei Radiosendungen aus der frühen Wirkungszeit des Predigers Jesus von Nazareth

Hörprobe „Die Hochzeit zu Kana“

0:00 / 3:34
Schauplatz
Galiläa
Zeit
um 28 n. Chr.
Beiträge
19 Titel
Gesendet
Karfreitag 1999, dreistündiges Programm im Stadtradio BERLIN 88,8 des Senders Freies Berlin

Worum es geht

„Die Zeit ist am Ziel und das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. Kehrt um zu Gott und glaubt an das Evangelium!“ – Mit diesen Worten tritt vor etwa 2000 Jahren ein Mann ins Licht der Weltgeschichte, der dafür wohl die allerschlechtesten Voraussetzungen mitbringt: Angehöriger eines verachteten Volkes in einem besetzen Land an der fernen Peripherie des Römischen Weltreichs. Sohn einer Handwerkersippe aus einem winzigen und abgelegenen Bergdorf.

Für eine kurze Zeit zieht er predigend durch ein ländliches Gebiet von kaum mehr als drei Tageswanderungen im Umkreis und sammelt ein Dutzend Schüler – Leute aus einfachen Verhältnissen wie er selbst. Das Volk verehrt ihn als einen Propheten, denn er predigt aus innerer religiöser Vollmacht und nicht wie die beamteten Sachwalter ihrer Religion. Die fühlen sich bald durch seine wachsende Popularität bedroht. Und als der unorthodoxe Prediger es schließlich wagt, das zentrale Heiligtum in der Hauptstadt aufzusuchen, finden sie einen Vorwand, ihn von der Besatzungsmacht hinrichten zu lassen.

Während seiner kurzen Wirksamkeit hat der Prediger immer betont: Seine Botschaft sei wie ein Samenkorn. Einmal in die Herzen der Menschen ausgestreut, sei das Wachstum nicht mehr aufzuhalten. Das bewahrheitet sich nach seinem Tode auf eine erstaunliche Weise. In der Wirksamkeit seiner Anhänger zeigt der Hingerichtete immer wieder neu, wie lebendig und gegenwärtig er den Menschen ist – bis heute.

Dahinter scheint das historische Leben des Jesus von Nazareth manchmal fast ganz aus dem Blick zu verschwinden. Die in der christlichen Bibel überlieferten Texte waren ja nach ihrer Auswahl und Erzählweise vor allem dazu bestimmt, den frühen christlichen Gemeinden als Predigt- und Erbauungsliteratur zu dienen. In neuerer Zeit hatte man deshalb lange den Eindruck, über die historische Person Jesu ließe sich überhaupt nichts Sicheres mehr feststellen. Es waren vor allem jüdische Forscher, die nachgewiesen haben, wie stark die biblische Gestalt des Mannes aus Nazareth wieder historisches Profil gewinnt, wenn man sie in das geschichtliche Umfeld des Judentums jener Zeit zurückversetzt.

Pressestimme

Die Produzenten der CD sind nicht etwa Kirchenleute oder Theologen, sondern Journalisten, Autoren und Kritiker, die in dieser Form schon seit 1973 eine Welt lebendig machen, die seit Jahrtausenden vergangen ist: die Bibel.

hoerOthek.de

Hörprobe zum Nachlesen: „Die Hochzeit zu Kana“

Textfassung der Hörprobe (3:34 Min.). Maschinell transkribiert und redaktionell überarbeitet; einzelne Namen und Wendungen können vom gesprochenen Original abweichen.

Textfassung anzeigen

Jedenfalls will ich an dieser Stelle – und ich danke Ihnen zunächst einmal – unseren Kollegen Detlev „Epikur“ Otto eine Geschichte erzählen lassen, falls er dazu inzwischen in der Lage sein sollte. Er ist ja eigentlich unser Korrespondent in Jerusalem, aber wegen seiner lädierten Gelenke fährt er immer schon mal ein bisschen in die Kurbäder an den See Genezareth. Und weil er auch schon mal „Epikur“ heißt, lässt er sich da auch nichts entgehen: Festmahl und so, da gibt es ja viel zu essen und gute Küche. Diesmal scheint es zumindest, was das Trinken angeht, doch etwas über seine Kräfte gegangen zu sein. Und das hat, man mag es nicht glauben, nun auch schon wieder mit diesem Jesus zu tun. Ich hoffe, ich habe ihn jetzt am Telefon – und auch verständlich. Detlev Epikur, sind Sie wirklich in der Lage zu berichten?

Hallo, Sie hören mich schon? Das ist ja ein bisschen derb, was Sie da sagen. Also, das Fest, von dem die Rede sein wird, fängt ja am Dienstag an. Dienstag ist der dritte Tag der Woche [Wortlaut unsicher], und da sind viele Hochzeiten angesagt. Und mich hat darauf gebracht, dorthin zu kommen, der Speisemeister – wie nennen wir den? Tafelmeister – Architriklinos, ein Bekannter von mir. Er hat gesagt, das wird ein großes Fest geben. So eine jüdische Hochzeit, die dauert ungefähr so acht Tage, und es gibt also auch viel zu trinken. Und da ist eine ganz tolle Geschichte passiert, die ich also hoffentlich so ungefähr zusammenkriege.

Es war nämlich also plötzlich – nicht plötzlich – der Wein war alle. Und da hat also eine der Frauen vom Tafeldienst, die dort das Essen zutragen und so, gesagt: „Der Wein ist alle“ – zu ihrem Sohn, eben jenem Mann, über den hier alle reden. Und er hat gesagt: „Was habe ich damit zu tun? Meine Zeit ist noch nicht gekommen.“ Aber dann hat sie gesagt – so erzählt mir also mein Freund, der Architriklinos –, hat gesagt: „Also macht, was er sagt.“ Und der hat gesagt: „Schöpft mal die Krüge voll.“

Und da standen also – die habe ich selber gesehen – sechs große Krüge, also große Krüge, ungefähr 100 Liter drin, ja. Das würden also dort ungefähr 600 Liter gewesen sein. Und er hat gesagt: „Schöpft sie mal mit Wasser voll.“ Und da sind die Knechte gegangen und haben aus der Zisterne – einen Brunnen gibt es hier nicht –, aus der Zisterne, wo das Wasser gesammelt wird, die Krüge vollgeschöpft. Und dann haben sie das hingetragen zu dem Tafelmeister, meinem Freund. Und der hat gesagt: „Toll, hervorragender Wein!“ Also wir haben alle ganz schön zugelangt, gleich sofort. 600 Liter, na ja, auf 50 Personen, das ist ja nicht so furchtbar viel. Das waren ja auch nicht mehr alle da. Jedenfalls ein unglaublicher Wein.

Gibt es denn noch welchen, ist noch Wein da? Meinen Sie, Sie könnten noch mal ein Schlückchen …

Erzählen Sie das mal bloß nicht im Radio Tyrus – jetzt noch hinzurennen zu der Hochzeit, das hat keinen Zweck. Aber wir haben das nicht alles geschafft. Es war so ein [unverständlich] Wein, man bekommt davon eigentlich keinen dicken Kopf, aber …

Ja, die Menge macht’s, die Menge macht’s. Lieber Detlev E. Otto, vielen lieben Dank, und vielleicht halten Sie ein kleines Schläfchen, und dann auf ein Neues, ne?

Ich würde mich gleich aufs Ohr legen. Tschüss.

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