Jedenfalls will ich an dieser Stelle – und ich danke Ihnen zunächst einmal – unseren Kollegen Detlev „Epikur“ Otto eine Geschichte erzählen lassen, falls er dazu inzwischen in der Lage sein sollte. Er ist ja eigentlich unser Korrespondent in Jerusalem, aber wegen seiner lädierten Gelenke fährt er immer schon mal ein bisschen in die Kurbäder an den See Genezareth. Und weil er auch schon mal „Epikur“ heißt, lässt er sich da auch nichts entgehen: Festmahl und so, da gibt es ja viel zu essen und gute Küche. Diesmal scheint es, zumindest was das Trinken angeht, doch etwas über seine Kräfte gegangen zu sein. Und das hat, man mag es nicht glauben, nun auch schon wieder mit diesem Jesus zu tun. Ich hoffe, ich habe ihn jetzt am Telefon – und auch verständlich. Detlev Epikur, sind Sie wirklich in der Lage zu berichten?
Hallo, Sie hören mich schon? Das ist ja ein bisschen derb, was Sie da sagen. Also, das Fest fängt hier an, von dem die Rede sein wird, am Dienstag. Dienstag ist der dritte Tag der Woche, und da sind jüdische Hochzeiten oft hier angesagt [Wortlaut unsicher]. Und mich hat also darauf gebracht, dorthin zu kommen, der Speisemeister – wie nennt man den? Tafelmeister – Architriklinos, ein Bekannter von mir. Der hat gesagt, das wird ein großes Fest geben. So eine jüdische Hochzeit, die dauert ungefähr so acht Tage, und es gibt also auch viel zu trinken. Und da passiert eine ganz tolle Geschichte, die ich also hoffentlich so ungefähr zusammenkriege.
Es war nämlich also plötzlich – der Wein war alle. Und da hat also eine der Frauen vom Tafeldienst, die also dort das zutragen und so, hat also gesagt: „Der Wein ist alle“ [Wortlaut unsicher] – zu ihrem Sohn, eben jenem Mann, über den ihr redet dort [Wortlaut unsicher]. Und er hat gesagt: „Ich habe gar nichts mehr zu tun [Wortlaut unsicher], meine Zeit ist nicht so weit.“ Und dann hat sie gesagt [Wortlaut unsicher] – also so erzählt mir also mein Freund, der Architriklinos –, hat gesagt: „Also macht, was er sagt.“ Und der hat gesagt: „Schöpft mal die Krüge voll.“
Und da standen also – die habe ich selber gesehen – sechs große Krüge, also große Krüge, da sind ungefähr 100 Liter drin, ja. Das müssen also dort ungefähr 600 Liter gewesen sein. Hat gesagt: „Schöpft sie mal mit Wasser voll.“ Ja. Und da sind die Krüge … Und da sind die Knechte gegangen dann und haben aus der Zisterne – einen Brunnen gibt es hier nicht –, sie haben aus der Zisterne, wo das Wasser gesammelt wird, die Krüge vollgeschöpft. Und dann haben sie das hingetragen zu dem Tischmeister [Wortlaut unsicher], meinem Freund, dem Tafelmeister. Und der hat gesagt: „Das ist ja toll, das ist ja ein hervorragender Wein.“ [unverständlich], also wir haben alle ganz schön zugelangt, gleich sofort. 600 Liter – na ja, auf 50 Personen ist das ja nicht so furchtbar viel. Das waren ja auch nicht mehr alle da. Also jedenfalls ein unglaublicher Wein.
Gibt es denn noch welchen? Ist noch Wein da? Meinen Sie, Sie könnten noch mal ein Schlückchen …
Also erzählen Sie das mal bloß nicht im Radio Tyrus jetzt. Also jetzt noch hinzurennen zu der Hochzeit, das hat keinen Zweck. Aber wir haben das nicht alles aufgeschafft. Und ich bin also – das war so ein vorzüglicher [Wortlaut unsicher] Wein. Man bekommt davon eigentlich keinen dicken Kopf, aber na ja, ein bisschen durch … [Wortlaut unsicher]
Ja, die Menge macht’s, die Menge macht’s. Lieber Detlev E. Otto, vielen lieben Dank, und vielleicht halten Sie ein kleines Schläfchen, und dann auf ein Neues.
Ich werde mich gleich aufs Ohr legen wieder. Tschüss.